In letzter Sekunde: Versöhnung mit Van Morrison

Vor einigen Wochen hat mir ein Freund „roll with the punches“ von Van Morrison geschenkt. Die CD war ein echter Punch für mich. Ich bin mit ihr überhaupt nicht warm geworden, habe sie geradezu abgelehnt. Und das geschieht ausgerechnet mir, dem großen Van Morrison Fan. Meine Frau klagte vor Jahren: „Kannst Du nicht mal etwas anderes hören“. Ja kann ich jetzt, definitiv.  So geht also eine lange, große Liebe zu Ende, mit einer einzigen CD.

Und dann das: Am vergangenen Dienstag haben wir das Nederlands Dans Theater 2, die Jugend-Ballett-Compagnie des berühmten Nederlands Dans Theater, gesehen. Als erstes Stück kam „I knew then“ mit einer Choreographie von John Inger und Musik von Van Morrison. Und da hat es wieder zoom gemacht. Herausragende Tänzer haben zu dieser herzerwärmenden Musik und wunderbarer Choreographie getanzt. Ein Fest, ein Genuss, ein Ohrenschmaus. Alleine wegen dieses Stückes kann ich jedem nur empfehlen, in eine Aufführung des Nederlands Dans Theaters zu gehen. Die Musikstücke von Van the Man waren:

  • Madame George
  • The Way Young Lovers Do
  • I´ll Be Your Lover Too
  • Crazy Love

Entweder hatte Van Morrison beim Einspielen der „roll with the punches“ einen schlechten Tag oder ich beim erstmaligen Hören. Wie auch immer. Ich besinne mich auf die verdammt gute Musik, die es von ihm gibt, gehe zurück an den Start und höre wieder Astral Weeks und die anderen Juwelen, die er uns geschenkt hat z.B. Enlightenment.

 

Louisa Johnson verzaubert und berührt

Dieses Musik-Video habe ich in den letzten Monaten wohl am häufigsten angesehen. Und ich schaue es mir immer noch an, ein Ende ist nicht in Sicht.

Was fasziniert mich nur so an diesem Video?

Louisa kommt auf die Bühne und ihre Nervosität ist hautnah zu spüren. Sofort baut sich eine Spannung auf. Wird sie die Performance schaffen? Hält sie dem Druck stand? Wird sie die Töne treffen und hat ist ihre Stimme überhaupt kräftig genug, um bei so einem populären Wettbewerb wie dem X-Factor bestehen zu können. Fast jeder, der einmal in einer Vorspiel-Situation war, wird die Angst und Nervosität nachvollziehen können. Dann kommt der Ratschlag von Jurorin Cheryl Ann Fernandez-Versini: „breath“. Oh oh – stärkt das das Selbstvertrauen von Lousia? Es scheint sie eher zu irritieren, wie in der Mini-Sequenz vor dem Einspieler „Vorstellung von Louisa“ zu sehen ist.

Dann nennt sie den Titel, den sie singen will – „Who´s loving you“ von Michael Jackson. Der Augenaufschlag von Simon Cowell spricht Bände: schwieriger geht es nicht, muss das jetzt sein. Bevor sie zu singen beginnt kommt wieder der Hinweis von Cheryl Ann Fernandez-Versini: „take a deep breath“. Der anschließende Blick von Louisa spricht Bände: ich kratze Dir gleich die Augen aus.

Dann beginnt sie zu singen und schon nach dem ersten Ton ist alles klar. Mir läuft ein Schauer über den Rücken. Die Juroren sind verzückt und Mutter Johnson hat sich die Fingernägel endgültig abgeknabbert. Das ganz Video ist eine perfekt erzählte Geschichte voller Spannung, Drama und Wandel zum Guten. Aber am Ende ist es doch die pure Musik, die mich das Video immer wieder ansehen lässt.

PS: Wie einfühlsam und voller Vertrauen und Zuversicht die Mutter von Louisa das Ganze verfolgt ist eine sehenswerte parallel erzählte Geschichte.

PPS: 43.367.413 Aufrufe bei Erstellung dieses Beitrags – alles werden Simon Cowell wohl zustimmen: „This is what we call a singer“.

Werbung ist etwas Wunderbares

Ja ok, Werbung nervt manchmal gehörig – insbesondere, wenn sie laut ist und platte Kaufappelle rausposaunt.

Werbung kann aber auch schöne Geschichten erzählen. Wenn zudem die Geschichte mit einer guten Musik untermalt ist, dann kann das – zumindest bei mir – dazu führen, dass ich mich freue, wenn der Spot im Fernsehen läuft. Dann bin ich ganz ruhig, schaue hin und höre voll konzentriert zu.

So ist es mir im Dezember mit dem neuem Weihnachts-Spot der Telekom gegangen – die Episode 11: Weihnachten bei Familie Heins. Die Geschichte ist schön ins Bild gesetzt (das Krümelmonster klaut dem Sohn das Smartphone, Mutter versteckt das Ipad mit der Schritt-für-Schritt-Kochanleitung, Oma gibt nur widerwillig ihr schlaues Handy aus der Hand).

Das besondere an dieser Weihnachts-Geschichte ist für mich die Musik – „Joy“ von Iron & Wine. Iron & Wine ist der Singer Songwriter Sam Beam, der seit über zehn Jahren in sanften Balladen vom Leben erzählt. Mit Joy ist ihm ein echter Ohrwurm und Dauerbrenner gelungen.

Ich wünsche allen in 2016 ein so flüssiges, rundes und stimmiges Jahr mit viel Freude, wie dieser Song „Joy“ ausstrahlt.

Wie ich zum besten Schlagzeuger der Welt wurde – und warum

Seit geschlagenen sechs Jahren liegt dieses Buch auf meinem Lesestapel! Warum habe ich es nur nicht früher gelesen? Es geht ums Schlagzeug spielen, aber eben nicht nur. Aus dem Klappentext: “Also, eigentlich schien mir mein Leben immer ganz normal. Ich bin ein rappeldünner Spinner namens Steven, am Schlagzeug habe ich die lockersten Handgelenke der Schule, das schönste Mädchen der Klasse beachtet mich nicht, und ich muss mich mit meinem nervigen kleinen Bruder Jeff herumschlagen. Aber dann kam der 7. Oktober, der Tag, als Jeff plötzlich ins Krankenhaus musste. Nichts war mehr wie vorher und meine ganze Familie wurde aus der Umlaufbahn getragen… Trotzdem, mein großes Schlagzeugsolo auf dem Schulkonzert lass ich mir dadurch nicht verderben! Wofür habe ich schließlich ein Jahr lang geübt!?”

In einer Rezension schreibt Frank Mc Court: “Ein kühnes Buch – Sonnenblick (der Autor) versprüht einen solchen Charme und Humor, dass man gar nicht merkt, wie er einem das Herz bricht.”

Und so ist es auch. Was locker, flockig und gut erzählt in pubertierender Jugendsprache beginnt, wird bitter ernst. Was bleibt einem zunehmend verzweifelten, irritierten, alleine gelassenen Jugendlichen: in diesem Fall zum Glück die Musik, konkret das Schlagzeug. Musik schafft es, die Welt für einige Zeit vollkommen aus zu blenden. Ein kurzer Auszug aus dem Buch – Steven übt mit der Schulband: “Dann nahmen wir uns eins der neuen lateinamerikanischen Stücke vor, einen Dizzy-Gillespie-Song namens Manteca. Weil zwei Schlagzeuger fehlten, musste ich wahnsinnig schnell spielen, damit die Schlagzeugstellen gut und laut genug rüberkamen. Mein rechter Fuß betonte die Akzente, mein linker Fuß spielte wie ein Metronom bei zwei und vier die Hi-Hat-Maschine, meine rechte Hand flog zwischen der Kuhglocke und einem Crash-Becken hin und her, und meine linke Hand wechselte zwischen der Trommel und den Toms. Plötzlich passierte etwas Seltenes und Erstaunliches mit mir: Ich war wie in Trance. Ihr wisst schon, so, wie Baseballspieler manchmal über Spiele reden, wenn der Ball im Zeitlupentempo auf ihren Schläger zufliegt und aussieht wie eine riesige Melone, die nur darauf wartet, dass einer auf sie draufhaut. So fühlte es sich an. Als ob ich nichts falsch machen könnte. Ich steckte so tief in der Musik, dass ich nicht mehr überlegen musste – mein Körper machte alles perfekt, wie von alleine.

Da will man doch wissen, bei welchem Stück der gute Steven zwei Schlagzeuger ersetzen musste! Voila:

Foto: Kreepin Deth | Quelle und Lizenz: Wikimedia

Udo Jürgens heute gestorben

Heute ist im Alter von 80 Jahren ganz überraschend Udo Jürgens an einem Herzinfakt gestorben. Über 50 Jahre auf der Bühne, über 1000 komponierte Lieder und über 100 Millionen verkaufte Tonträger. Er war ein herausragender Entertainer. Wer jemals ein Live-Konzert von ihm gesehen hat, und sei es nur am Fernsehen, konnte seine Power und Begeisterung für die Musik erleben und das bis ins hohe Alter von 80 Jahren. Am Ende eines Konzertes war er bis auf´s letzte Hemd durchgeschwitzt. Kamillentee und weißer Bademantel gehörten ebenso zu ihm wie seine gesellschaftskritischen Töne im dunklen Anzug.

Seine Lieder und seine Musik werden weiter leben. Und ich gehe ans Klavier …

Enlightenment – it´s always up to you

Hier kommt einer meiner all-time-Favorites von einem meiner all-time-Favorite Musikern – „Enlightenment“ von Van Morrison aus dem gleichnamigen Album von 1990. Was begeistert mich an dem Stück? Es ist natürlich, wie immer bei Van Morrison, seine besondere Stimme. Großartig ist auch, wie die Musik ohne anzuecken, wie an einem Strich gezogen, ohne Wendungen vom Anfang bis zum Ende durchläuft. Und es ist der Text/das Thema, das wohl jeden von uns immer wieder beschäftigt: Wie schaue ich auf die Dinge des Lebens? Wie gehe ich damit um, was kann ich ändern, was akzeptieren? Während die Musik durchgängig positiv ist, eckt der Text immer wieder an (don´t know what it is). So wie man im Leben immer wieder aneckt. Man ist auf der Suche nach der richtigen Antwort und dem richtigen Weg und diese Antwort ist häufig nicht einfach zu finden. Dabei liegt sie meistens in uns selber verborgen …

Every second, every minute
it keeps changing to something different
Enlightenment, don´t know what it is

wake up
Enlightenment says the world is nothing
nothing but a dream everything is an illusion
and nothing is real

Good or bad baby
you can change it anyway you want
you can rearrange it
Enlightenment, don´t know what it is

All around baby, you can see
You´re making your own reality everyday
Enlightenment, don´t know what it is
It´s up to you
Enlightenment, don´t know what it is
It´s always up to you, the way you think

Roots to Grow and Wings to Fly

Wie schön, wir haben ein neues Mitglied in unserer Familie. Für mich ist es das zweite Enkelkind und wie beim ersten ist es ein großes Geschenk und auch ein großes Geheimnis. Zu was für einem Mensch wird dieses kleine, noch schutzlose Wesen sich entwickeln? Wie werden wir zueinander stehen? Wie wird es sich durch das Leben bewegen? Was werden seine Neigungen und Fähigkeiten sein? Und, und, und.

Am Anfang des Lebens ist noch alles offen, die ersten Wege werden jetzt eingeschlagen. Auf die Eltern kommt eine große aber auch sehr schöne Aufgabe zu: ihr Kind ins Leben zu führen, es zu fördern und zu fordern, es aber auch los zu lassen und zu vertrauen. Ich habe großen Respekt davor, was Eltern in der Kindererziehung leisten, sehr großen Respekt.

Es gibt dazu einen sehr schönen Spruch von Johann Wolfgang von Goethe:
Zwei Dinge sollen Kinder von ihren Eltern bekommen: Wurzeln und Flügel

Hier ein tolles Lied von Stefanie Heinzmann mit dem Titel Roots to Grow and Wings to Fly, das doch prima zu dem Anlass passt.

Ist es nicht wunderbar, mit welcher Begeisterung und großer Freude sie singt. Sie hat „ihr Ding“, die Musik, gefunden. Ich wünsche es allen, dass sie auch fündig werden und aus aktuellem Anlass ganz besonders meinen beiden Enkelinnen.

Von Ohrwürmern und hooklines – Elvis Costello

Heute möchte ich eine kleine Serie beginnen – vielleicht wird sie auch gar nicht so klein, sondern sogar ein Dauerbrenner. Schau’n wir mal oder besser: hören wir mal.

Es geht um Ohrwürmer, also diese verfluchten Tonfolgen, die, hat man sie zwei oder dreimal gehört, einem nicht mehr aus dem Kopf gehen. (Das verrückte daran: desto heftiger sie im Ohr bleiben, desto einfacher sind sie in der Regel gestrickt!). Meist ist es eine Tonfolge aus nur drei oder vier Noten, nicht mehr. Berühmtes Beispiel: die 5. Symphonie von Beethoven, die aus nur vier Noten ihr Motiv (tatata taaaa – tatata taaaa) baut, aus dem eine ganze Symphonie entsteht.

Es muss aber nicht gleich eine ganze Symphonie sein. Ohrwürmer funktionieren natürlich auch bei einem so herzzerreißendem, traurigen Liebeslied wie Painted from Memory von Elvis Costello und Burt Bacharach. Hier werden drei Noten in absteigender Folge immer und immer wiederholt und es wird nicht langweilig, ganz im Gegenteil, man wird fast süchtig danach. Dankenswerterweise hat mrpinopolozzi die Noten am Ende des Video einmal eingeblendet, also wer will, kann ein kurzes Stück mit lesen – wichtiger ist aber die Musik und das Gefühl, also Augen schließen, zuhören und infizieren lassen.

Frühling wird’s

Jetzt ist es endlich wieder soweit! Die Bäume zeigen ihr frisches, kräftiges grün, der Himmel ist tief blau und die Sonne spiegelt sich im Wasser der Seen und Flüsse. Und wir Menschen atmen tief durch, saugen die Kraft der Sonne und des strahlenden Lichts in uns auf. Lebenslust erwacht! Konstantin Wecker hat zu diesen Gefühlen ein wunderbares Lied geschrieben, sein „Frühlingslied“ – hier in einer Live-Aufnahme aus dem Jahr 1994. Schaut euch mal den Schlagzeuger an, der strahlt von einem Ohr zum anderen, vielleicht hatte er zu der Zeit gerade seine ganz persönlichen Frühlingsgefühle …

Stoiber on Drums – ohne Worte

Wirklich einmalig, was Jonny König (als Studentenarbeit an der Popakademie in Mannheim) aus dem Politikergestammel von Edmund Stoiber musikalisch gemacht hat. Alle weiteren Worte erübrigen sich. Viel Spaß!